Wie kann sich das Recruiting am besten auf die Wünsche und Anforderungen von Millennials einstellen? Während diese Frage noch immer ein aktuelles Thema ist, beginnt bereits die erste Welle der nächsten Generation über ihre Beschäftigungsmöglichkeiten nachzudenken: Die 1995 geborene Generation Z steht, mit ihren maximal 23 Jahren, direkt vor dem Eintritt in die Arbeitswelt. 2015 war diese Kohorte mit 26 % der weltweiten Bevölkerung bereits das zweitgrößte Segment (16 % in der EU, 19 % in den USA) hinter den Millennials. Gleichzeitig bildet sich mit der GenZ auch die vielfältigste Generation in der Geschichte heran. (1)

Um sich der durchaus lösbaren Aufgabe widmen zu können, die Generation Z als begeisterte Mitarbeiter für ein Unternehmen zu gewinnen, ist es ein Muss, die Einstellung der Generation Z im Hinblick auf Arbeit und Leben im Detail zu kennen. Wie ist die Generation Z aufgewachsen und wie hat sich dies auf ihre Werte und ihr Weltbild ausgewirkt?

AUSWIRKUNGEN DER ZEIT – WERTE UND WELTBILD DER GENERATION Z

Müsste man die GenZ mit zwei Worten umschreiben, so wären diese vermutlich: Born digital. Sie führen ein Leben, das von Anfang an von rasanter technologischer Entwicklung geprägt ist: 1995 löst die DVD die CD als digitalen Audiospeicher ab, 1999 erscheint das erste Smartphone (PALM VII), 2000 gibt es zum ersten Mal Internet-TV und -Radio, ab 2003 dann der Aufstieg der sozialen Netzwerke und 2010 die Vorstellung des ersten Apple-Tablets. Das Smartphone ist aus dem Leben der Generation Z heute nicht mehr wegzudenken – 52 % fühlen sich ohne ihr Smartphone sogar unwohl und von der Welt abgeschnitten. (2) 90 % greifen regelmäßig über ihr Smartphone auf das Internet zu, wo sie sich dann den Großteil ihrer Informationen beschaffen. (3) Im Schnitt nutzen sie täglich mehr als 10 Stunden irgendeine Form von Technik. Die durchschnittliche Anzahl von drei Bildschirmen bei den Millennials klingt im Vergleich zu den fünf unterschiedlichen Bildschirmen, die die GenZ täglich nutzt (Smartphone, Laptop, TV, Tablet und Smartwatch), schon fast wieder altmodisch. (4)

Die Generation Z ist überdurchschnittlich autodidaktisch veranlagt und weiß genau, wo sie welche Informationen finden kann. Soziale Netzwerke werden aber nicht nur zu Informationszwecken genutzt, sondern auch als Kommunikationsmedium und zur Unterhaltung. Hier spielen vor allem YouTube, Snapchat, Facebook, Instagram und Twitter eine bedeutende Rolle. Die GenZ wächst mit Bloggern, Twitter & Co. auf und ist in ihrer Informationsbeschaffung nicht an nationale Kanäle gebunden. Sie bezeichnen sich als „Querdenker“ – nicht nur auf lokaler, sondern auch auf globaler Ebene. (5)

Die GenZ wird häufig von „Helikoptereltern“ erzogen, die ihnen viel Verantwortung abnehmen und eher Handlungsrichtlinien vorgeben, als ihnen Grenzen aufzuzeigen. Die Folge: Keine Übung im Umgang mit negativer Kritik, da ihnen diese kaum entgegenschlägt und ein sehr starkes Selbstbewusstsein. Deutsche Studenten dieser Generation haben die Uni-Zeit vor der Bologna-Umstellung nicht mehr miterlebt und folgen einem verschulten Studium nach einem bis ins Detail ausgearbeiteten Studienplan. Die Generation Z misst ihre Popularität anhand von Snapchat-Followern und Instagram-Herzchen und nimmt diese Erwartungshaltung nach konstantem Lob häufig auch mit ins Berufsleben. (6)

Die Finanz- und Wirtschaftskrisen, mit denen die Generation Z aufwächst, führen zu einem desillusionierten, manchmal skeptischen, aber vorwiegend realistischen Bild ihrer Umwelt. Fast jeder kennt Menschen mit Arbeitskrankheiten oder Burnout-Syndrom aus seinem direkten Umfeld. Diese Erfahrungen führen dazu, dass die GenZ nur wenig Vertrauen in Politik und Unternehmen hat und sehr viel Wert auf Stressfreiheit und ein geregeltes Privatleben legt. Der Wunsch nach Abwechslung und Selbstverwirklichung ist groß und die Familie spielt eine große Rolle. (7)

DIE GEN Z UND DER ARBEITSMARKT – WAS WIRKLICH ZÄHLT

Während für die Generation Y die Freude an der Arbeit noch einen sehr hohen Stellenwert hatte, geht es der Generation Z eher um die Sicherheit im Job. Sie lehnen befristete Verträge ab und wünschen sich geregelte Arbeitszeiten. Der Sinn der Arbeit entscheidet darüber, ob sie dieser nachgehen. Die Bereitschaft, sich über die reguläre Arbeitszeit hinaus noch mit Arbeitsthemen zu beschäftigen und einzusetzen ist nur dann gegeben, wenn hierfür nachvollziehbare Gründe vorliegen. Privatleben und Beruf verschwimmen immer weniger. Damit nimmt auch die Bindung ans Unternehmen ab, genauso wie die Hemmungen gegenüber einem Jobwechsel. Der Wunsch nach klaren Strukturen hingegen nimmt zu.

RECRUITING-TIPPS: WIE UND WOMIT MAN DIE GEN Z ERREICHT

Nutzen Sie die visuellen Vorlieben der GenZ
Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne der GenZ für Online-Content liegt bei nur 8 Sekunden und ist damit noch kürzer als die 12 Sekunden, die den Millennials zugeschrieben werden. (8) Doch in der Kürze liegt die Würze und auch eine Chance: Aufgewachsen in einer Nach-Zeitungs-, Netflix-geprägten Welt kommen der GenZ visuell verpackte Botschaften sehr entgegen. Hier bieten sich – anstelle langer Stellenbeschreibungen – vor allem aussagekräftige Bilder und prägnante Videos an, um den potentiellen Interessenten das Unternehmen nahezubringen.

Bauen Sie eine starke Employer Brand in sozialen Netzwerken auf
Traditionen verlieren für die GenZ an Bedeutung. Dagegen gewinnen die Sinnhaftigkeit der Arbeit, das langfristige Karrierewachstum sowie die Arbeitsplatzsicherheit an Wichtigkeit. Während die Generation Y noch Großraumbüros favorisiert, ihren Fokus auf Kollaboration legt und Text- und Email-Kommunikation den One-on-One-Meetings vorzieht, kehrt sich dies bei der Generation Z wieder um: Diese lösen Herausforderungen gerne im persönlichen Austausch mit ihrem Gegenüber (auch wenn dies für sie Video-Streaming miteinschließt) und sie schätzen die Unabhängigkeit – „35 % der Generation Z teilen lieber Socken als Büroräume“ so GenZ-Guru David Stillman (9). Wenn Sie diese Punkte glaubwürdig als Teil ihrer Unternehmenskultur vermitteln können, haben Sie als Unternehmen den Wettbewerb um die Generation Z schon fast für sich entschieden. Außerdem stehen Unternehmen eine sehr viel breitere Fülle an Kanälen zur Verfügung, die Sie für Employer Branding und Nachrichtenübermittlung nutzen können – allen voran die sozialen Netzwerke.

Gewährleisten Sie authentische und plattformübergreifende Kommunikation
Die Employer Brand einfach nur zu kommunizieren, reicht jedoch nicht aus: Die Kommunikation muss konsistent sein. Die Generation Z ist es gewohnt, sich Informationen über verschiedenste Plattformen hinweg zu beschaffen. Ihre Mitglieder durchkämmen akribisch alle Kanäle und decken Ungereimtheiten spielerisch auf. Aus diesem Grund ist plattformübergreifende Authentizität und Konsistenz des Employer Brandings der Schlüssel für eine positive Candidate Experience der GenZ.

Schaffen Sie Chancen für Entrepreneurs
Sie erhöhen die Anziehungskraft Ihres Unternehmens für die GenZ bedeutend, wenn Sie ihnen Möglichkeiten bieten, unternehmerische Erfahrungen zu sammeln. Die GenZ hat nicht nur starkes Interesse an Unternehmertum, sondern fordert dieses auch aktiv ein. Druckers Konzept des „Entrepreneurial Managements“ beschreibt die richtige Balance zwischen ausreichend Unternehmern im Unternehmen, den sogenannten Intrapreneurs, die „kreative Zerstörung“ im positiven Sinne vorantreiben; und klassischen Managern, die es sich zum Ziel gesetzt haben, das Bestehende zu verbessern und zu optimieren. Unternehmerische Mitarbeiter sind zwar nicht immer einfach zufriedenzustellen, aber unentbehrlich für die Überlebensfähigkeit Ihrer Organisation, da deren Innovationsdrang sicherstellt, dass es nicht zum Stillstand kommt. (10)

Nutzen Sie moderne Recruiting-Methoden
Die Generation Z ist nicht nur privat an technologischen Neuerungen interessiert – auch im Hinblick auf das Auskundschaften von Karrieremöglichkeiten und bei der Job-Recherche tendieren sie dazu, sich technologisch auszutoben. Ein Hauptaugenmerk liegt hier auf dem effizienten Finden von Stellen. Von CV-Matching und Job Alerts bis hin zu Mitarbeiterempfehlungsprogrammen: Die GenZ weiß, wie sie Unternehmen finden, die zu ihnen passen und mit ihren beruflichen Zielen und persönlichen Werten übereinstimmen. Sie arbeiten sehr bedacht und effizient und sind extrem gut über verschiedenste Kanäle hinweg vernetzt. Warum sollten Unternehmen sich diese Verhaltensweisen nicht zu eigen machen? Diese Netzwerke der eigenen Mitarbeiter umfassen im Schnitt mehr als 340 individuelle Kontakte pro Person: Eine enorme Reichweite von mehr als 1,7 Millionen potentiellen Talenten bei 5000 Mitarbeitern, die häufig ungenutzt bleibt. Bei der Stellensuche der GenZ stellt sich aber nicht nur die Frage, wie die GenZ sucht, sondern auch über welche Geräte und Kanäle. Einen Großteil ihrer Zeit verbringt die Generation Z auf mobilen Geräten und in sozialen Netzwerken. Der Einbezug von Apps und Social-Media-Kanälen in die GenZ-Recruiting-Strategie ist daher eine keinesfalls zu vernachlässigende Grundvoraussetzung für den langfristigen Recruiting-Erfolg Ihres Unternehmens.

Sprechen Sie die GenZ frühzeitig an
Zu guter Letzt gilt auch hier „Zeit ist Geld“ – oder „je eher, desto besser“. Frühzeitig dran sein schafft Wettbewerbsvorteile: 62 % der Mitglieder der Generation Z denkt darüber nach, direkt nach der Schule in die Arbeitswelt zu starten. (11) Warten Sie mit der Ansprache also bis diese im Alter von 20 oder 21 Jahren in ihre ersten Praktika starten, würden Sie vermutlich den kritischen Zeitpunkt verpassen. In der Zukunft wird die Herausforderung darin liegen, das Employer Branding schon zu Schulzeiten anzustoßen, da sich die GenZ schon früher auf die Suche nach dem perfekten Arbeitgeber für den ersten Job machen, als dies heute der Fall ist.

Kurz gesagt: Seien Sie agil und offen gegenüber neuen Technologien und versuchen Sie diese ins Recruiting der GenZ zu integrieren. Kreieren Sie eine authentische Arbeitgebermarke und kommunizieren Sie diese über vorwiegend visuell geprägte Plattformen – und lassen Sie sich nicht zu viel Zeit: In spätestens 10 Jahren werden alle Mitglieder der GenZ die Schule abgeschlossen haben und sind bereit, durchzustarten. Versäumen Sie es außerdem nicht, dieser Generation zuzuhören. Sie möchte, dass ihre Ideen gehört werden – und das bezieht sich auch auf den Rekrutierungsprozess.

Eine Vorreiterrolle auf diesem Gebiet wird sich definitiv auszahlen und Sie sichern sich durch differenzierte Personalstrategien Ihre Wettbewerbsfähigkeit im Hinblick auf das Recruiting dieser Generation.

Der Wettlauf um die GenZ und ihre „Anhänger“ beginnt jetzt!

 

Sie möchten noch mehr über die GenerationZ erfahren?
Laden Sie sich hier unsere praktische Infografik herunter!

 


QUELLEN:
(1) https://www.fungglobalretailtech.com/research/gen-z/
(2) https://de.statista.com/infografik/6792/generation-z_-eigentlich-ganz-vernuenftig/
(3) https://lingner.com/employer-branding/infografik-employer-branding-generation-z/
(4) Hesse, Gero, Mattmüller, Roland (Hrsg.) (2015) „Perspektivwechsel im Employer Branding – Neue Ansätze für die Generationen Y und Z“
(5) http://www.futurebiz.de/artikel/social-media-nutzung-gen-z-2017/
(6) http://www.haz.de/Sonntag/Gastkommentar/Ich-mach-was-mir-gefaellt!-Gastbeitrag-von-Christian-Scholz
(7) https://www.lecturio.de/magazin/generation-z/
(8) http://tobesocial.de/blog/content-marketing-tipps-generation-z-infografik-social-media-marketing
(9) http://www.genzguru.com/our-new-book/
(10) Drucker, Peter F. (2006) „Innovation and Entrepreneurship“
(11) https://universumglobal.com/generation-z/

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